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“Es lag in der Luft” - Sendeplätze buchen, Werbung schalten, Trauernde als Zielgruppe?

~Gedankensplitter~ - Folgendes liest der geneigte Besucher am 24. April 2008 auf der Startseite von etosTV, dem Portal für Nachrufe:


“Mutig? Verrückt? Nein, die Idee lag in der Luft. Durch den demographischen Wandel geraten neue Zielgruppen in den Blick. Fernsehzuschauer, die sich gezielt informieren wollen, über Themen, die sie angehen. Bestattungskultur und Vorsorge gehören zu diesen Themen. Wer einmal einen Todesfall in der Familie hatte, weiß, wie viele Fragen damit verbunden sind. Was wird gezeigt? Dokumentationen über Friedhöfe als Orte des kulturellen Gedächtnisses, denn Zukunft braucht Herkunft. Persönliche Nachrufe, denn die Erinnerung verbindet die Generationen. Informationen zur Vorsorge, denn Vorsorge bedeutet eine Sorge weniger.


Initiiert wurde EtosTV von dem Medienmann Wolf Tilmann Schneider in Kooperation mit dem Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, der zum Bundesverband Deutscher Bestatter gehört. Mit dieser Kooperation dokumentiert die Bestattungsbranche ein neues Selbstbewusstsein und die Medien, dass ernste Themen auch ernst genommen werden.


Anfang Juni wurde EtosTV mit Sitz in Brandenburg gegründet und wird im Zuge des Aufbaus weitere strategische Partner integrieren, um das einzigartige Netzwerk mit über 3000 Bestattungsunternehmern synergetisch voranzubringen.”



Auch “Demo-Nachrufe” kann man sich dort anschauen.


Nun spricht ja prinzipiell sicherlich nichts gegen das Konzipieren und Umsetzen von im Fernsehen ausstrahlbaren Nachrufen und Gedenksendungen. Und auch das Geldverdienen ist in Verbindung mit dem Sterben und Trauern sicherlich ebenso wenig verwerflich oder nicht verwerflich wie andernorts auch. Bezweifeln möchte ich allerdings, dass Trauernde oder Sterbende sich in der oben beschriebenen werbeschwanger präsentierten und in den Profithimmel gelobten “Zielgruppe” wiederfinden. Dass “ernste Themen auch ernst genommen” werden lese zumindest ich aus den obigen Zeilen nicht. Eher, dass hier Pressemeldung und Zielgruppenansprache nicht getrennt wurden - und ich mich als Leser zwischen all den Phrasen wie “Vorsorgen bedeutet eine Sorge weniger” oder “Zukunft braucht Herkunft” somit eher beleidigt als angesprochen fühle.


Im Grunde ist es natürlich gar nicht so falsch: Zukunft braucht Herkunft. Einer Zukunft dieses Senders käme es daher sicherlich zugute, wenn er sich seiner Herkunft bewusst wäre. Was meinen Sie?
[me]

03. April 2008 um 13:00 Uhr | Druckversion
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